Ist so eine Meisterschaft bereits für sich genommen eine Herausforderung, wird es bei brutaler Hitze noch um ein Vielfaches anspruchsvoller.
Während man beim renommierten Triathlon in Frankfurt aufgrund der Hitze kurzerhand die Streckenlängen anpasste, zeigte man sich bei der Rad DM in Bad Liebenstein davon ziemlich unbeeindruckt. Erstaunlich, denn es gab gerade im Nachwuchsbereich sicher einige Situationen, die durch die massive Hitze und die Länge des Rennens garantiert nicht besser wurden – eher im Gegenteil.
In der U17 standen mit Finn und Gustav zwei ZGler in Blau-Gelb bzw. „Schmitterbunt“ am Start. Finn hatte bereits vor dem Start mit der Sonne zu kämpfen, war aber hoch motiviert. Die ersten Hügel fuhr er prima – er war bei der Musik dabei. Weniger musikalisch seine Abfahrtsqualitäten. Wenn sich immer diese kleinen Lücken auftun, dann geht das auf Dauer an die Substanz.
Und Gustav? Der zog mit satten 550 Watt seine Bahnen ganz vorn über den Inselsberg. Daan, Amon und die weiteren üblichen Verdächtigen zogen mit am Horn. Bei der Getränkeangabe rauschte ihm dann jemand in den Lenker und Gustav lag auf der Straße. Speiche gebrochen, Schaltauge krumm, Schuh demoliert. Egal, wieder rauf aufs Rad und weiter. Während der Abfahrt – „Jasper parkte in jeder Kurve“, so Gustav – gab es dann einige Einschläge, weshalb das Rennen neutralisiert wurde. „Hey cool, alle stehen und ich bin wieder dran“, dachte sich Finn in diesem Augenblick.
Weiter ging’s, aber auch nicht lange. Schon wieder Neutralisation. Endlich konnte Finn seine Gels futtern und war körperlich etwas besser drauf. Während einer ganzen halben Stunde stillstand sprangen einige der Jungs in einen nahen Brunnen – hat man so auch noch nicht gesehen. Kurz vor Neustart hallte noch ein „…können wir noch mal kurz warten, mein Rahmen ist gebrochen. Brauche ein Ersatzrad“ eines Büttgener Fahrers über die Köpfe zur Rennleitung. Schön, dass darauf Rücksicht genommen wurde.
Für Finn entpuppte sich die Pause allerdings nicht als Komplettregeneration, jetzt gingen ihm doch die Beine auf. Mit perfekt abgestimmter Verpflegung und Sonnenschutz (frösteln auf der Haut bei lang über 34 Grad ist gar kein gutes Zeichen) wäre sicher noch mehr drin gewesen als Platz 93. Bei 22 DNFs aber und 100 Fahrern doch noch im Ziel darf er sich durchaus lobend auf die eigene Schulter klopfen. Großes Kämpferherz.
Und unser „Defekt-Gustav“? Der ist in bestechender Form und hat das Podium im Blick. Vorn wird geballert und attackiert, was das Zeug hält. Erst sind es 12, dann 8 Jungs, die sich um den Titel streiten. Ein Kilometer vor Rennende der falsche Blick zur falschen Zeit von Gustav, schon ziehen 5 Jungs auf der anderen Seite an. Vorbei, die sind nicht mehr zu holen. Aber mit dem Feld ins Ziel zu fahren und auf Platz 6 zu sprinten, das ist schon eine echte Klasseleistung.
Die U19
Niklas hatte bergauf in der ersten Runde ein sehr gutes Gefühl. Nachdem er den Start verpatzt hatte, weil jemand vor ihm nicht einklicken konnte, ging er von sehr weit hinten über die ersten zwei Huppel. Kein Stress aber für Niklas, schließlich wollte er nicht gleich wichtige Körner verschießen, nur um ein paar wenige Positionen gutzumachen. Dann ging es Richtung Inselsberg auf den längeren Anstieg. Die Beine noch gut, und schon fand sich Niklas im Mittelfeld über die Kuppe wieder.
Dann kam – leider – die Abfahrt. Niklas fiel komplett ab, und hatte dazu das Gefühl, dass er selbst in der Ebene 5 km/h oder mehr langsamer war als der Rest. Nach der ersten Runde hieß es dann für ihn „All out“ in der Wagenkollone, um wieder ans Feld heranzukommen. Das funktionierte allerdings nicht ganz so gut, weil vorn richtig Tempo gemacht wurde und sich sofort die ersten Grupettos bildeten. Da dadurch die Servicefahrzeuge nicht mehr gleichmäßig hinterherfuhren wurde es noch schwieriger, nach vorn zu kommen. Schließlich fand sich Niklas in einer kleineren Gruppe wieder.
Und als es zum zweiten Mal auf den Inselsberg ging, fing es an zu blitzen und zu donnern – lecker Platzregen mit Hagelneigung inklusive. Niklas richtige Entscheidung: Die Abfahrt eher entspannt fahren, da würde eh nichts mehr gehen. Zudem stand ja da noch die heftig kurze Karenzzeit im Raum.
Danach war er noch mit anderen unterwegs, und als er das zweite Mal eine Flasche mit extra Eistasche annahm, das Malheur: Beim Versuch die Eiswürfel abzunehmen, hing Niklas sich am Bordstein auf und checkte die Asphaltqualität. Gott sei Dank nix Wildes, nur Knie und Ellenbogen ein wenig offen. Wieder auf dem Rad, kam dann nach 10 weiteren Kilometern der Besenwagen, und beendete das Rennen für Niklas und 87 weitere Fahrer. Ein DNF, über das sich Niklas nicht ärgern muss. Großartig gekämpft, alles gegeben. Fragt man sich nur, ob es sinnvoll ist, gerade einmal läppische 36 Fahrer ins Ziel kommen zu lassen.