Gustav war bei den 139. Deutschen Bahnradmeisterschaften in Büttgen in der U17 am Start. An vier Wettkampftagen waren schnelle Beine und volle Konzentration angesagt. Und wie gut Gustav mittlerweile auf der Bahn ist, zeigte schon der erste Tag.

In der 2000-Meter-Einerverfolgung ging es für ihn auf die Hatz nach der Bestzeit. Exzellent unterstützt und eingestellt vom Trainerteam, war Gustav klar schneller, als im Jahr zuvor, und mit 02:15,656 min hätte es wohl in vielen anderen europäischen Ländern aufs Podest gereicht – leider (oder für uns alle zum Glück) ist die Leistungsdichte so hoch, dass es „nur“ für Platz 5 von 57 Fahrern reichte. Aber hey, ein Feld, das von Mr. Bahnüberflieger persönlich, Jasper Carls von der HSG Uni Greifswald, mit Wahnsinnszeiten angeführt wird, das hat schon Qualität. Ein klasse Auftakt also.

Tag zwei auf der Bahn, die viele Blau-Gelbe von unseren Jahresauftakt-Touren kennen, und die 3000 Meter Mannschaftsverfolgung standen auf dem Programm. Besonders anspruchsvoll, da alle vier Fahrer perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen – entsprechend viele Trainingszeiten inklusive. Mit einem Durchschnitt klar über 55 km/h machte der Vierer vom Landesverband NRW fast alles richtig, aber eben nur fast. Etwas zu heterogen das Leistungsvermögen, etwas zu viel Druck auf dem Pedal an der falschen Stelle, und schon fällt der für die Gesamtzeit so wichtige dritte Fahrer ab und das Finale gegen das eingespielte Team aus Büttgen geht verloren. Aber ist das wirklich ein Grund zu meckern? Deutscher Vizemeister mit dem Vierer, auf dem Podium, Fahne im Blick, Nationalhymne läuft – das kann man mal schon so machen.

Und mit diesem Eindruck ging es für Gustav am dritten Tag zum Ausscheidungsfahren. Schon in der Ansetzung des ersten Qualifikationslaufs war klar: Leistung ist gefordert. Denn bei Jasper Carls, dem Brandenburger Benno Burczyk und anderen Bahnrad-Spezialisten musste er hellwach sein. Die Qualifikation für das Finale mit Platz 5 klappte bestens. Im Finale schließlich wurde es spannend. Immer schön das Hinterrad den Tick weiter vorn halten, lautete die Devise. Gustav machte das klasse und lieferte am Ende auch Jasper einen guten, aber doch aussichtslosen Kampf. Erneut Deutscher Vizemeister. Extra-Lob vom Trainerteam und dem Umfeld und erneut ab mit ihm aufs Podium und der Hymne lauschen. Daran kann man sich echt gewöhnen.

Letzter Arbeitstag für Gustav, Punktefahren. Spannend machte er es in der Quali. Gerade einmal drei Pünktchen eingefahren, aber es reichte. Wir kennen ja alle die Story von dem guten Pferd und dessen Sprungvermögen … Dann das Finale. Der Startschuss und schon eine Runde später eine entscheidende Attacke – da waren noch 58 Runden zu fahren. Eine Fünfergruppe mit Gustav machte sich auf die Socken, einen Rundengewinn und 20 Extrapunkte einzufahren. Das klappte prima und zwei Wertungen später kam ein weiterer Punkt für Gustav dazu. 21 Punkte, ganz oben im Zwischenergebnis, das sah vielversprechend aus. Die kommenden Wertungen sammelte dann Jasper Carls wieder gewohnt viele Punkte. Es folgten weitere Fahrer mit einem Rundenplus, und nun wurde es etwas unübersichtlich. Klar war nur, dass die finale Wertung entscheidend sein würde. Gustav schnappte sich zwei Punkte, das waren letztlich aber drei zu wenig. Im Gesamtergebnis ein weiterer fünfter Platz.

Fazit: Was für grandiose Platzierungen 5–2–2–5. Da sage noch einer, in Kassel könne man keinen Bahnradsport. Doch, es geht, und wir setzen alles daran, Anfang 2027 wieder vielen Blau-Gelben die Lust auf das Fahren mit nur einem Gang zu vermitteln. Der Applaus aber gebührt Gustav.