Sport hat mehr mit dem Kopf zu tun, als man glaubt. Wie sonst sollte es gehen, dass Gustav auf der Bahn (und nicht nur dort) herausragende Leistungen bringt, obwohl wir für ihn überhaupt keine adäquate Trainingsmöglichkeit haben? Quasi Meta-Visualisierung. Und dabei ist er bei der Winterbahnmeisterschaft in Büttgen in seinem ersten U17-Jahr derart gut, dass die ganze Halle erst einmal tieeef durchatmen musste. 

Was war passiert? Der erste von zwei Tagen begann mit dem Scratch-Rennen. Alle Beine auf dem Oval noch frisch, ballerte Gustav von Anfang an in der Top-Gruppe mit. Clever als Dritter platziert, kam sein Angriff kurz nach der Glocke für die letzte Runde. Auf der Gegengeraden war dann der Drops gelutscht und im Ziel hätte er auch noch entspannt Kusshändchen in die Zuschauer werfen können – was ein Vorsprung, was ein klasse Sieg. Spektakulär.

Dann das Temporennen. Hier konnte Gustav einen Rundengewinn herausfahren, doch der Punktgewinn blieb ihm verwehrt. Er schaffte es, sich gut zu positionieren, aber das nötige Glück fehlte ihm dieses Mal. “Da wäre noch mehr drin gewesen als der vierte Platz”, meinte er im Rückblick. 

Im anschließenden Ausscheidungsfahren lief es unglücklich. Er positionierte sich gut im Feld, hatte jedoch das Pech, an vierter Stelle festzustecken. „Wenn ich da rausgekommen wäre, hätte ich richtig gute Chancen gehabt“, sprach’s, war aber nicht zu sehr enttäuscht. 

Im abschließenden Punktefahren musste er schließlich doch den vorherigen exzellenten Auftritten etwas Tribut zollen – lief nicht ganz so optimal, und am Ende konnte er sich doch über den siebten Platz freuen.

Tag zwei: 200 m fliegend und so

Am zweiten Tag fuhr Gustav zum dritten Mal in seiner Karriere die 200 m fliegend. Mit einer Zeit von 12,36 Sekunden landete er auf dem sechsten Platz. Er war zufrieden, wusste aber auch, dass er auf der Geraden besser beschleunigen muss. Da muss er noch an der Technik ein wenig feilen. 

Im australischen Jagdrennen, das er vorher noch nie gefahren war, landete er auf dem vierten Platz. Und das Ding war intensiver, als er dachte. Als eine Gruppe von Dreien gegangen war, verschlief er es, mitzugehen. In der letzten Runde fuhr er dann mit voller Kraft vor der Wertung eine 50 m Lücke zu zwei weiteren Fahrern zu und konnte damit knapp Vierter werden. Nach dem Rennen sagte er, wenn er die Lücke nicht zugefahren wäre, wäre er wohl Letzter geworden. 

Im Madison-Rennen lief nicht alles rund. Zwei Wechsel mit seinem neuen Partner Hannes klappten nicht wie geplant, aber angesichts der Tatsache, dass es erst ihr zweiter gemeinsamer Auftritt war, ging der vierte Platz vollkommen in Ordnung. Mehrfach konnte Gustav nach den Wechselpatzern eine 30 – 40 m Lücke zur Führung schließen, was für einiges Raunen in der Halle sorgte. 

Omnium – oder was am Ende übrig bleibt: Gustav katapultiert sich auf einen ganz wunderbaren dritten Platz und hatte jede Menge Spaß an diesem Wochenende.