{"id":308,"date":"2017-06-27T08:22:21","date_gmt":"2017-06-27T08:22:21","guid":{"rendered":"http:\/\/zweirad-kassel.de\/?p=308"},"modified":"2017-06-27T08:22:21","modified_gmt":"2017-06-27T08:22:21","slug":"samuel-beim-dreilaendergiro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rvmedia.de\/index.php\/2017\/06\/27\/samuel-beim-dreilaendergiro\/","title":{"rendered":"Samuel beim Dreil\u00e4ndergiro"},"content":{"rendered":"<p><strong>Blitze und Donner. Feuer und Rauch.<\/strong><\/p>\n<p>P&uuml;nktlich um drei Uhr morgens f&auml;ngt es an, das Gewitter. In dicken Tropfen klatscht der Regen unabl&auml;ssig auf mein Zeltdach. Begleitet von Blitz und Donner. &raquo;Na toll&laquo;, denke ich mir und will mich, nach einem kurzen Blick auf die Uhr, wieder umdrehen. Doch an Schlaf ist nun nicht mehr zu denken, zu pr&auml;sent ist der Gedanke an das, was mir nun bevorsteht. Knapp sieben Stunden bei Regen quer durch die Berge zu fahren. &raquo;Na ja&laquo;, denke ich, &raquo;vielleicht haben wir ja Gl&uuml;ck und der Regen l&auml;sst nochmal nach&laquo;. Doch das tat er nicht.&nbsp;<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p>M&uuml;hsam zw&auml;nge ich mich in meine klammen Radklamotten, esse einige Bissen Kuchen und mach mich dann auf zum 5 Kilometer entfernten Start. Bereits nach f&uuml;nf Minuten bin ich Nass. Die Zeit bis zum Start stelle ich mich im Foyer eines Hotels unter, wenigstens ist es dort trocken und warm, nochmal schnell auf die Toilette, dann f&auml;llt der Startschuss. Zu den Kl&auml;ngen von AC\/DCs &raquo;Thunderstruck&laquo;, geht&rsquo;s ab auf die Strecke. Und der Donner kommt wirklich. Blitze zucken &uuml;ber den Himmel, gefolgt von ohrenbet&auml;ubenden Knallen. Die ersten knapp 10 Kilometer geht es bergan zum Reschenpass, ich &uuml;berhole einige Fahrer und schnell wird mir w&auml;rmer. Doch leider nicht lange, denn es folgt die 20 Kilometer lange Abfahrt nach Prad. <strong>Die ersten Fahrer, die bereits umgedreht haben,<\/strong> kommen mir entgegen, und w&auml;hrend ich mich die Abfahrt runter friere, spiele ich mit dem Gedanken ebenfalls umzudrehen. Bin ich wirklich so bl&ouml;d bei Gewitter und diesen Temperaturen &uuml;ber die zweith&ouml;chste Passstra&szlig;e Europas zu fahren? Anscheinend ja, denn die Kilometer ticken vorbei und schon bin ich im Anstieg.<\/p>\n<p>Ist doch gar nicht so schlimm, denke ich mir. An den Regen habe ich mich bereits gew&ouml;hnt, und warm ist mir auch schnell wieder. Kehre um Kehre geht es bergan, die H&ouml;henmeter fliegen nur so an mir vorbei. Bis zur Baumgrenze, da dreht der Wind und treibt mir eisige Regentropfen ins Gesicht. Noch sieben Kilometer bis zur Passh&ouml;he, steht auf der Stra&szlig;e. Ich hebe den Kopf und sehe weit &uuml;ber mir die Stra&szlig;e, wie sie sich Kehre um Kehre dem Gipfel entgegen schl&auml;ngelt, Mannomann ist das steil! Pl&ouml;tzlich ein Krachen, mein Hintermann schreit auf. <strong>Ein Steinschlag<\/strong>, der ihn knapp verfehlt hat. Adrenalin kocht in meinem K&ouml;rper, schnell bringe ich einige Meter hinter mich. Die Zweifel an meinem Tun sind wieder da. Irgendwann sieht jede Kehre gleich aus, und Deja-Vu nach Deja-Vu, bin ich oben.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Temperaturanzeige zeigt eine Null.<\/strong> Ich bin Nass bis auf die Knochen und ohne lange zu &uuml;berlegen kaufe ich mir in einem Souvenirstand ein T-Shirt, zum Darunterziehen, damit ich wenigstens am K&ouml;rper eine trockene Schicht habe. Zitternd ziehe ich mich um und begebe mich auf die Abfahrt. Nach zehn Minuten kann ich keine zehn Meter weit sehen, starker Nebel hat sich breitgemacht. Immer noch zitternd taste ich mich mit 20 km\/h die Abfahrt runter, die H&auml;nde fest an den Bremsgriffen. Immer wieder muss ich schauen, ob meine Finger &uuml;berhaupt noch an den Bremshebeln sind, denn Gef&uuml;hle habe ich keine mehr in den H&auml;nden, und das trotz langer Handschuhe. Endlich unten! Die Bremsbel&auml;ge sind zur H&auml;lfte weggebremst.&nbsp;<\/p>\n<p>Im Tal hat es etwas aufgeklart, die Sonne ist hinter den Wolken bereits zu erkennen. Raus aus dem Baumwoll-T-Shirt und rein in den Ofenpass. Das Gef&uuml;hl in den H&auml;nden ist wieder da. Die Abfahrt vom Ofenpass ist trocken und ich lasse laufen. Bis ich zu &uuml;berm&uuml;tig werde, zu sp&auml;t bremse und eine Kurve nicht mehr ganz erwische&#8230;und schon liege ich auf der Nase. Windjacke und &Uuml;berschuhe sind ruiniert, doch dem Fahrrad ist nichts passiert, kurz in den K&ouml;rper reinh&ouml;ren, &raquo;alles Okay&laquo; sagt der, und weiter geht&acute;s. 50 Kilometer flach durchs Tal. Weit und breit kein anderer Fahrer. Dann eben alleine gegen den Wind. Nach 10 Kilometern f&auml;ngt es wieder an zu regnen, aber das kennen wir ja schon. Ich vertreibe mir die Zeit mit Kilometer z&auml;hlen und endlich stehe ich vor der letzten Steigung des Tages, der Norbertsh&ouml;he. Der Regen hat wieder aufgeh&ouml;rt, und ich lasse meine restlichen K&ouml;rner im Anstieg. Dann noch eine kleine Abfahrt runter nach Nauders, und ich bin nach&nbsp;<strong>165,7 km mit 4.637 hm<\/strong> im Ziel.&nbsp;<strong>7:29 Stunden<\/strong> reichen zu <strong>Platz 120 von ca. 500 Finishern<\/strong>. Trikot abholen, zur&uuml;ck zum Campingplatz und Duschen. Als ich aus der Dusche komme, strahlt die Sonne am Himmel.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blitze und Donner. Feuer und Rauch. P&uuml;nktlich um drei Uhr morgens f&auml;ngt es an, das Gewitter. In dicken Tropfen klatscht der Regen unabl&auml;ssig auf mein Zeltdach. 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