{"id":13491,"date":"2024-09-05T13:19:14","date_gmt":"2024-09-05T11:19:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rvmedia.de\/?p=13491"},"modified":"2024-09-05T13:19:15","modified_gmt":"2024-09-05T11:19:15","slug":"oetztaler-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rvmedia.de\/index.php\/2024\/09\/05\/oetztaler-2024\/","title":{"rendered":"\u00d6tztaler 2024"},"content":{"rendered":"\n<p>50\u00a0km\/h im Schnitt, schneller als der rauschende Fluss neben uns, rasen wir ins Tal. Da, links! Ran ans Hinterrad, Puls bei 180, egal, der Rausch der Geschwindigkeit hat mich gepackt, die Beine f\u00fchlen sich super an. 6\u00a0km\/h, ich muss aufpassen, dass ich nicht umfalle, wann kommt denn endlich die Passh\u00f6he? Ich gehe aus dem Sattel, versuche die n\u00e4chste Serpentine mit Schwung zu nehmen und setze mich wieder hin, Puls bei 150, aus den Beinen kommt heute nichts mehr, ich sehne mich nach der Abfahrt ins Ziel. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen diesen beiden Momenten liegen knapp 9 Stunden auf der Strecke meines ersten \u00d6tztaler Radmarathons. Ein Tag, der sich anf\u00fchlt wie drei. Zwischen angespanntem Warten auf den Startschuss, bis zur gl\u00fccklichen Ersch\u00f6pftheit im Ziel liegen 227 km und knapp 5.500 H\u00f6henmeter auf f\u00fcr den restlichen Verkehr gesperrten Stra\u00dfen in den Alpen, ein einmaliges Erlebnis. <\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Stimmung und die Aufregung verleiten mich nat\u00fcrlich gleich dazu, jedes schnellere Hinterrad mitzunehmen, was sich anbietet. Bis runter nach \u00d6tz brauchen wir f\u00fcr die 30 km knapp 37 Minuten. Im K\u00fchtai, dem ersten Pass des Tages, ist erst mal Stau. Wohin man blickt, die Stra\u00dfe ist vollgepackt mit Radfahrern. Das K\u00fchtai bin ich, im Nachhinein betrachtet, viel zu schnell angegangen, motiviert von allen Fahrradfahrern links und rechts neben mir. Mit der Nahrungsaufnahme hingegen lag ich genau im Plan, wenn nicht sogar \u00fcber dem Plan. Noch ein Riegel, noch ein Gel. Mehr ist mehr\u00a0\u2026 oben auf der Kuppe war eine Bombenstimmung. Kurz angehalten, Trinkflaschen aufgef\u00fcllt, Windjacke an und ab ging es in die rasante Abfahrt. Obwohl ich da schon fast 90 Kilometer pro Stunde auf der Uhr hatte, schossen trotzdem noch links und rechts motivierte Fahrradfahrer an mir vorbei. Das kann auch b\u00f6se ausgehen, wie mir eine Gruppe, die sich um einen am Boden liegenden Radfahrer gesammelt hatte, zeigte. Unten im Tal galt es, eine gute Gruppe zu finden, sodass ich ein ums andere Mal L\u00fccken schlie\u00dfen musste. Auch in Innsbruck selbst war eine Bombenstimmung und es galt in den Kurven den Ziehharmonika-Effekt in der Gruppe auszugleichen. <\/p>\n\n\n\n<p>Den Brenner halten manche nicht wirklich f\u00fcr einen Berg. Am Anfang etwas steiler, in der Mitte jedoch relativ flach. So war auch hier bei ausgepr\u00e4gtem Gegenwind das Fahren in der Gruppe angesagt. An der Einfahrt zum Jaufenpass ging es mir noch relativ gut. Noch schnell ein Gel eingeworfen, ein wenig an der Trinkflasche genippt und weiter ging es. Nach zehn bis 20 Minuten merkte ich aber deutlich, dass ich langsam ans Limit kam. Wir waren jetzt bei circa 5 1\u20445 Stunden Renndauer und mehr \u2013muss ich gestehen \u2013, als ich das im Training auch nur ein einziges Mal gefahren bin. Das n\u00e4chste Gel ging schon nicht mehr so einfach runter und dann zeigte sich auch gleich, dass ich das mit der Nahrungsaufnahme nun besser sein lassen sollte, denn ich merkte, dass mein Magen nun deutlich machte, was er von dem ganzen s\u00fc\u00dfen Zeug hielt. <\/p>\n\n\n\n<p>So ging es auf Sparflamme den Rest des Jaufenpass hoch. Oben angekommen, war ich schon etwas im Eimer. Laugenbr\u00f6tchen waren meine Rettung. Die Abfahrt vom Jaufenpast ist wirklich sehr rasant und macht ohne Autos und Gegenverkehr einfach tierisch Spa\u00df. Im Tal geht es kaum einen Meter flach, dann richtet sich schon das schier un\u00fcberwindbare Timmelsjoch vor einem auf. Auf 30 Kilometern und \u00fcber 1900 H\u00f6henmetern geht das Timmelsjoch bis auf 2400 Meter hoch. Hier zeigt sich, ob man noch Reserven und Energie im Tank hat. Alle Radfahrenden um mich rum waren nur noch mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Kaum jemand wechselte noch ein Wort. Es f\u00fchlte sich eher an wie eine Gruppenmeditation am Berg. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Timmelsjoch ist auch wirklich konstant steil. Gelegentlich gibt es kurze Flachst\u00fccke, die ich dann wirklich nur noch gerollt bin. An den Stationen gab es wieder Laugenbr\u00f6tchen und einen Schluck Cola. Weiter ging es. Ich hatte das Gef\u00fchl, wirklich nur noch mit dem Reservetank unterwegs zu sein und qu\u00e4lte mich Kehre f\u00fcr Kehre den Berg hinauf. F\u00fcr die Auffahrt zum Timmelsjoch brauchte ich \u00fcber zwei Stunden. Angesichts der eigentlich nur noch wenigen \u00fcbrigen Kilometer war das doch sehr ern\u00fcchternd. Oben angekommen bietet sich einem eine beeindruckende mondartige Steinkulisse. <\/p>\n\n\n\n<p>Wer denkt, dass man nun fast schon im Ziel sein wird, der irrt. Nach einer kurzen Abfahrt geht es noch mal einen knapp drei Kilometer langen Gegenanstieg hinauf, den nun wirklich keiner mehr gebrauchen kann. Auch hier: Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen, keinen Tritt auslassen und weiterfahren. Doch dann ist es wirklich geschafft. Die restliche Abfahrt konnte ich dann wirklich sehr genie\u00dfen. Und so kam ich dann nach etwas \u00fcber zehn Stunden \u2013 vier Minuten, um genau zu sein \u2013 wieder in S\u00f6lden an. Das war wirklich ein Erlebnis. Mit meinem viel zu schnellen Tempo am K\u00fchtai und am Brenner habe ich wohl das typisch falsche \u00d6tztaler Pacing hingelegt. Ein Grund mehr, n\u00e4chstes Jahr wiederzukommen und es besser zu machen. Das \u00d6tztaler-Fieber hat mich gepackt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>50\u00a0km\/h im Schnitt, schneller als der rauschende Fluss neben uns, rasen wir ins Tal. Da, links! Ran ans Hinterrad, Puls bei 180, egal, der Rausch der Geschwindigkeit hat mich gepackt, die Beine f\u00fchlen sich super an. 6\u00a0km\/h, ich muss aufpassen, dass ich nicht umfalle, wann kommt denn endlich die Passh\u00f6he? 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